Behindertensport: Vorbildliche Leistungsträger

Datum: 02.12.2012; Quelle: diepresse.com; AutorIn: Johann Skocek (Die Presse), Link


Die Inklusion behinderter Sportler in die jeweiligen Fachverbände ist ein gesellschaftlicher, sportlicher Fortschritt. Aber nicht jeder Verband hat den Vertrag unterschrieben.


Wien. Ein Weltrekord im vernetzten Joggen ist es dann doch nicht geworden. Doch die von der Österreichischen Sporthilfe mit der Aktion „Runtastic“ für Behindertensportler gesammelte Summe von 50.000 Euro kann sich sehen lassen. 15 Euro zahlte ein (Freizeit-)Läufer, erhielt eine App für das Handy und war so Teil der laufenden Aktion. Insgesamt wurde eine Strecke von rund 235.000 Kilometern von „Runtasticern“ für den guten Zweck und die eigene Fitness gejoggt. Der Weltrekord von 500.000 Kilometern wurde verfehlt, aber was soll's.


Das „Körberlgeld“ wird unter den im Förderkader Rio 2016 versammelten Hoffnungsträgern der kommenden Paralympischen Spiele verteilt. 15 Damen und Herren werden mit Sicherheit einige Medaillen aus Rio de Janeiro heimtragen. Sie werden von der Sporthilfe wie Nichtbehinderte eingestuft (Leistungsstufen Gold, Silber, Bronze) und gefördert, also ausschließlich an ihrer Leistung und Medaillenchance gemessen.

 

Gravierende Unterschiede

Die Qualität der Truppe ist Folge der Hingabe jedes Einzelnen, der soliden Aufbauarbeit des Behindertensportverbands (ÖBSV) und des Paralympischen Committees (ÖPC). In den vergangenen Jahren spielte aber ein neuer Faktor eine immer wichtigere Rolle: Inklusion. Die Aufnahme der Behindertensportler in den Kreis ihrer nicht bewegungseingeschränkten Kollegen. Elf Fachverbände haben bislang einen Vertrag mit dem Behindertensportverband über die Betreuung der Behinderten-Spitzensportler abgeschlossen.

Es herrscht zwischen dem Internationalen Paralympischen Committee, IPC, den Internationalen Fachverbänden und auch innerhalb des österreichischen organisierten Sportwesens zwar dahingehend Konsens, sagt ÖPC-Generalsekretärin Petra Huber, dass über kurz oder lang die Inklusion in jeder Sportart vollzogen wird. Tatsächlich aber finden sich gravierende Unterschiede: Im Tischtennis, Rad- und Skisport beispielsweise wird die Integration seit Jahren vorbildlich gelebt. Im Schwimmsport oder in der Leichtathletik findet man Inklusionsvereinbarungen aber nicht.

Das hat teilweise historische Gründe. Der alpine Skilauf wurde nach den Weltkriegen durch heimkehrende Soldaten propagiert und die ausgemusterten Heeresskier waren der Bevölkerung willkommene, billige Sportgeräte. Der ÖSV unterhält auch quasi seit Urzeiten ein Referat für Behindertensport, dessen Spitzenathleten Claudia Lösch und Markus Salcher zu den verlässlichsten Medaillenanwärtern zählen. Die Selbstverständlichkeit, mit der im Skiverband mit behinderten Kollegen umgegangen wird, zeigte sich im Fall von Matthias Lanzinger, der nach einem Unfall im Weltcup (2008, Kvitfjell) und einer Unterschenkelamputation in den paralympischen Kader wechselte und seither vom Know-how des ÖSV profitiert.

Und die Leichtathletik? Günther Matzinger (Dysmelie, rechter Unterarm), Weltmeister und Goldmedaillengewinner in London 2012 (400 Meter), trainiert seit Jahren im Rahmen des Leichtathletikverbandes und wurde 2013 Staatsmeister über 800 Meter. Matzinger: „Bei mir ist es leicht, da braucht es keine besonderen Maßnahmen.“ Die Betreuung von Sportlern wie Thomas Geierspichler (Rollstuhl, Marathon, 200 und 800 Meter) oder Rollstuhl-Speerwerfern und -Kugelstoßern aber erfordert erhebliches Wissen, Organisations- und Geldaufwand. „Dafür fehlen die Fachleute, das Geld“, sagt ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis – was nicht als Ablehnung der Sportler gemeint sei, bloß als Werben um Unterstützung und Geduld.

 

Eine Million Euro

Doch an Verständnis und Hilfe für zögerliche Fachverbände scheint es nicht zu mangeln. Mathias Bogner, Generalsekretär des ÖBSV, weist auf einen 400.000 Euro schweren Topf des Bundessportförderungsfonds hin. Er wurde im Zuge der 2013 erfolgten Novellierung des Bundessportfördergesetzes für Infrastruktur, Trainerpersonal und Know-how der Fachverbände installiert. „Manche Fachverbände hatten Bedenken, dass sie sich die Inklusion nicht leisten könnten. Das wurde mit dem Sonderfördertopf ausgeräumt.“ Heuer scheint sogar noch Geld in diesem Reservoir zu liegen, aus dem sich der ÖSV (95.000 Euro), der Eishockeyverband (58.000 Euro), der Pferdesportverband (8000 Euro) und andere schon Zuschüsse gesichert haben.

Der ÖBSV erhält in der geltenden Förderstruktur weniger garantierte Förderung (2013: 1.690.000), kann sich aber durch Projektförderung schadlos halten. 2014 betrug die Grundförderung 800.000 Euro, mit ÖPC (100.000) und Special Olympics (mental Behinderte, 100.000) eine Million Euro. Dazu kommt eine Projektförderung von 600.000 Euro plus der oben erwähnte Sondertopf des BSFF.

Aufgrund fehlender Inklusionsverträge betreut der ÖBSV auch die fünf Rio-2016-Athleten Matzinger, Geierspichler, Natalja Eder, Bil Marinkovic (alle Leichtathletik) und Andreas Onea (Schwimmer). Und aufgrund internationaler Vorgaben und Verträge bleiben dem ÖBSV Sportarten wie Basketball, Boccia, Rugby, Volleyball und spezielle Behindertensportarten (Fünfer- und Siebener-Teams im Fußball, Goalball) und vieles mehr.


("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2014)


 

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